crazy-about-nins: Kaninchen, wir und anderes Getier
  Unsere Meinung über ZHs
 

Purzels Geschichte 



oder warum wir nie wieder etwas in
einer Zoohandlung kaufen werden

Einen Brief an die Zoohandlung:

Betreff: Herz und Verstand für Tiere???

Sehr geehrtes K.-Zoo-Team,

So steht es auf Ihrer Internet-Seite beschrieben:
„Von Tierfreund zu Tierfreund - Tiergerechte Haltung steht bei K. an oberster Stelle.“
Traurig ist nur, daß sich der Kunde mehr um das Wohl der Tiere beim K. verpflichtet fühlt, als seine Mitarbeiter.

Anmerkung vorab: Wir hatten bei unserem Besuch nicht vor ein Tier zu erwerben!

Es geht um einen jungen grün-gelben Wellensittich, den mein Freund und ich bei unserem letzten Besuch am 21.12.05 in der neuen Filiale bemerkten, der einen Fuß nicht belasten konnte, deshalb auf dem Boden saß und sich die herab gefallenen Körner suchte. Der kranke Fuß hing kraftlos herunter und er versuchte sich mit dem Flügel abzustützen um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Dennoch machte er einen munteren und aufgeweckten Eindruck. Ihre Mitarbeiterin Frau W., mit der ich befreundet bin, hatte an diesem Tag frei, daher bat ich die Auszubildende sich den Vogel anzusehen. Sie setzte ihn separat und meinte, dass er erstmal dem Tierarzt vorgestellt wird. Wir verließen das Geschäft. Mir ging der kleine Welli aber nicht aus dem Kopf und zweifelte daran, dass man sich wirklich gut um ihn kümmern würde. Daher ging ich zurück und suchte die Auszubildende nochmals auf. Auf die Frage hin, ob ich ihn mitnehmen, zum Tierarzt gehen und mich um ihn kümmern könnte, meinte sie, sie müsse erst nachfragen. Wir gingen gemeinsam zum Abteilungsleiter Vögel/Nager. Dieser meinte, dass das nicht ginge und der Vogel sich nur den Fuß verstaucht hätte und in 2-3 Tagen wieder fit wäre. Ich zweifelte stark an seiner Aussage, wahrscheinlich hatte er sich das Tier vorher erst gar nicht angeschaut, nach einem „verstauchten Fuß“ sah das jedenfalls nicht aus. Ich meinte dann, bevor man ihn einschläfert oder ähnliches, weil man ihn so nicht mehr verkaufen kann, würde ich ihn gerne nehmen. Dies wäre dann über Frau W. machbar, aber jetzt soll er erst mal noch hier bleiben, hieß es. Ich verließ das Geschäft.

An den Feiertagen kontaktierte ich Frau W. und erkundigte mich nach dem Wellensittich. Sie konnte mir nicht viel sagen, da es nicht ihr Zuständigkeitsbereich war, aber sie wollte sich am nächsten Tag darum kümmern. Am 27.12.05 brachte sie mir den Kleinen dann abends vorbei. Und welch ein Schock, als ich den Karton öffnete: Der Vogel lag auf dem Bauch, konnte nun beide Beine nicht mehr bewegen und hatte stark abgebaut. Ich war sehr enttäuscht. In der vergangenen Woche hat sich weder jemand groß um ihn gekümmert noch ist er dem Tierarzt, eine Treppe weiter unten (welch ein Hohn!), vorgestellt worden.
Herz und Verstand für Tiere? In diesem Fall war beides nicht vorhanden.

Am nächsten Morgen bin ich mit ihm zu Herrn Dr. R. in Ö. Nach der Untersuchung und der Röntgenaufnahme stand fest: Er hatte eine Verletzung der Wirbelsäule, mit lokalem Bluterguss und Schädigung der Nerven. Zudem leidet er unter Rachitis. Herr Dr. R. war so freundlich und reduzierte die Kosten auf ein Minimum. Dennoch wurden 30 Euro fällig + 1 Packung Arnika Globuli aus der Apotheke gegen den Bluterguss.

Ich fütterte ihn nun alle paar Stunden mit Aufzuchtfutter, Prime, Korvimin, Arnika und Vitamin B. Er wurde in den letzten Tagen wieder kräftiger und kann nun auch wieder einigermaßen sitzen. Ob er jemals wieder laufen, klettern oder auf einen Ast sitzen kann, ist fraglich, es wird die Zeit zeigen. Fest steht aber, noch ein paar Tage ohne Hilfe und er wäre gestorben. Es wäre ihm auch viel Leid erspart geblieben, hätten Sie sich um ihn gekümmert und ihn tierärztlich versorgen lassen.
Zudem mache ich mir den Vorwurf, dass ich nicht darauf bestanden habe, ihn gleich mitzunehmen!
Für das nächste Mal weiß ich es nun besser.... Ich hoffe aber sehr, dass sich solch ein Fall nicht wiederholt!


Noch ein paar Gedanken und Anregungen zum neuen Markt.:

Der neue Verkaufsraum ist sehr schön geworden, vor allem mit viel Platz. Viele Tiere haben nun einen riesigen „Lebensraum“ bekommen, der auf alle Fälle vorbildlich ist, wie die großen Schau-Terrarien oder die Papageien-Voliere. Ich finde die Vorbildfunktion sehr wichtig, vermittelt sie doch, wie viel Platzbedarf, Pflege und Fachwissen es braucht, um Tieren ein artgerechtes Leben in Gefangenschaft zu bieten. Viele Kunden sind sich darüber wahrscheinlich nicht ganz im Klaren, bevor sie sich ein Tier anschaffen. Deshalb sollte der K. es ihnen mit riesigen Gehegen, artgerechter Haltung und artgerechter Fütterung vorleben, was in vielen Bereichen auch gelungen ist.

Allerdings nicht in allen.... Haben doch jetzt die Kleinvögel, Sittiche und Agaporniden viel von ihrem Platzangebot im „alten K.“ verloren. Auch bei den Nagern und Kaninchen ist der Platz arg geschrumpft. Anstatt des schönen großen hölzernen Geheges für Meerschweinchen und Kaninchen sind kleine Glaskästen aufgestellt worden. Für mich absolut unverständlich, da Sie im Verkaufsraum Platz im Überfluss haben. Ich hoffe, daß dies nur eine Übergangslösung ist, und dass die aufgezählten Tiere doch noch größere Gehege bzw. Volieren bekommen.
Die jetzige Trennung von Kaninchen und Meerschweinchen wiederum ist sehr vorbildlich, da diese Tiere einfach nicht vergesellschaftet werden sollten, und dies so auch dem Kunden besser vermittelt wird.
Schön wäre es auch, wenn Sittiche, Kaninchen und Kleintiere gar nicht erst einzeln verkauft werden dürften, oder vorher sichergestellt wäre, dass ein Zweittier schon vorhanden ist. Wahrscheinlich lässt sich dieses Wunschdenken wohl nicht immer umsetzen. Aber der Verkäufer sollte hier wenigstens versuchen positiv einzugreifen und zu vermitteln, dass ein artgerechtes Leben nur zu zweit möglich ist.

Zum Thema Futter: Die neuen Spender finde ich sehr gut. Mit offenem Futter und weniger Verpackung ist auch der Umwelt geholfen. Nur sollte mehr „gesundes Futter“ angeboten und als solches auch ausgezeichnet werden. Mit gesundem Futter meine ich z.B. getreidefreie Pellets für Kaninchen und Meerschweinchen, (zB. Apfel-, Wiesengras-, Topinambur-Pellets) um den Kunden von ungesunden Marken wegzulenken. Mir ist natürlich klar, dass Sie auch diese Marken verkaufen wollen/müssen. Aber wenn der Kunde sieht, dass getreidefreies Futter für seine Lieblinge viel gesünder ist, er daher weniger Tierarztkosten ausgeben muss, gibt er dafür am Ende gerne mehr aus, als für eine Schachtel herkömmliches Futter mit der gleichen Menge. Es sollte überhaupt mehr aufgeklärt werden, was für unsere Lieblinge gesund ist, und was nicht. Es werden immer noch zu viele Kräcker mit Melasse, Joghurt-Drops, Lecksteine und sonstige schädliche Produkte verkauft... (-> Ich erinnere Sie an Ihren Slogan: ...Verstand für Tiere! - und an die Worte auf Ihrer Homepage "über uns"!)
Die Verkäufer sollten auch mehr Zeit haben, sich um die Tiere zu kümmern (siehe Geschichte oben), vielleicht liegt dies an Personalmangel? Auch sollten sich die Verkäufer auf ihrem Fachgebiet ständig weiterbilden um den Kunden so gut wie nur möglich eine artgerechte Tierhaltung in jeglicher Hinsicht vermitteln zu können (evtl. auch Infoseiten aus dem Internet
empfehlen). Denn dies ist oft dafür entscheidend, ob ein Tier ein gutes oder ein mangelhaftes neues Zuhause bekommt.
Denn über eines sollten Sie sich im Klaren sein: Ihre „Waren“ sind und bleiben Lebewesen!

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine lange E-Mail zu lesen.
Nun wünsche ich Ihnen noch ein gutes Neues Jahr mit viel Herz und Verstand für Tiere!

Mit freundlichen Grüßen




Den Brief hatte ich auch Frau W. gezeigt, sie meinte, dass er ok. sei und ich es nur auf den Punkt gebracht hätte. Sie meinte auch, dass sich wahrscheinlich erst mal etwas ändern würde, wenn sich ein Kunde beschweren würde.

Tja, und dann kam die große böse Überraschung:
Frau W. wurde zum obersten Chef gerufen und bekam fast ne Abmahnung, weil sie das Tier an mich raus gegeben hatte, obwohl es krank war und ohne dass es der Leiter Vögel wusste, was natürlich gelogen war. Ich war ja selbst bei ihm und hab ihm gesagt, dass ICH den Vogel möchte. Er konnte sich dann aber wohl rausreden und bekam nur gesagt, dass er in Zukunft auf kranke Tiere im Verkaufsraum achten solle und dafür die Quarantäne benutzen soll. Und Frau W., die einzige, die sich um den Vogel bemühte und ihn in letzter Minute gerettet hat, bekam volle Breitseite ab! Und In Zukunft soll noch mehr darauf geachtet werden, dass KEIN krankes Tier das Haus verlässt! Klar, lieber werden sie im hinteren Kabuff verrecken gelassen, bevor das saubere Image des Ladens geschädigt wird! Aber das Image haben sie sich nun selbst geschädigt. Denn, dass bei diesen Massen von Tieren auch mal ein krankes dabei sein kann, ist verständlich. Aber es wäre nicht geschäftsschädigend gewesen, wenn die ganze Geschichte zum Wohle des Tieres abgelaufen wäre. Jetzt, da ich weiß, wie viel beim K-Zoo. ein Tier wert ist, und dass Mitarbeiter, die sich bemühen noch fertig gemacht werden, das ist geschäftsschädigend! Und ich werde das auch in alle Welt hinausposaunen, das kannst Du mir glauben!

 


So. Seit dem 3. Januar warte ich nun vergebens auf eine Stellungnahme. Würde am liebsten noch ne Mail schreiben, ob die Herrschaften nicht couragiert genug sind um auf meine Mail zu antworten. Aber ich will im Interesse von Frau W. nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.
Die 30 Euro werde ich wohl auch nicht mehr sehen. Oh, da fällt mir ein, ich hab ja noch ne Rechnung beim K. offen. Nämlich 10 Euro, die der Leiter Vögel eigentlich noch für den Welli wollte, als Frau W. ihn mitgenommen hat. Das ist noch der Gipfel der Geschichte.

Den Welli habe ich Purzel genannt. Weil er als noch umpurzelt. Er macht aber jeden Tag neue Fortschritte. Mittlerweile kann er wieder sitzen, mit beiden Füßen wieder greifen und er kann sich auf einer Stange halten, aber mehr geht nicht. Ich glaube auch nicht, dass er jemals wieder ganz gesund wird. Aber es ist richtig schön zu sehen, dass es ihm jeden Tag ein Bisschen besser geht, wenn man bedenkt, was für ein Häufchen Elend er noch vor ein paar Wochen war. Wenn es soweit ist, dass er mit seiner Behinderung klar kommt, darf er zu meinem Pärchen dazu.

Aber Zoohandlungen sehe ich seither in einem völlig anderen Licht. Für die Tiere ist es nur ein einziger Stress, bis sie mal beim „Endverbraucher“ angekommen sind. Und kümmern tun sich die meisten Verkäufer sowieso nicht um sie. Außerdem werden die Tiere viel zu jung angeboten und zu früh von der Mutter weggenommen. Ist ja klar: umso kleiner und süßer, umso besser lässt sich’s verkaufen. Dann das Futter und die ganzen ungesunden Leckereien für die Tiere. Das fängt beim Protein-Schildkröten-Futter an, geht übers Getreide und hört bei den Joghurt-Drops auf. Billige Rohstoffe, die nicht ansatzweise etwas mit artgerechter Ernährung zu tun haben, bunt verpackt mit gesunden Sprüchen drauf kann man prima teuer verkaufen! Aber das bringt Kohle und um die geht es hier ja schließlich! Und ich geh noch ein Schritt weiter: Ist doch toll, wenn die Tiere nach 2-3 Jahren an Verfettung oder Tumoren wegen ungesunder Ernährung sterben - oder daran, dass sie ein geschwächtes Immunsystem haben, weil sie zu jung aus dem Nest geholt wurden - dann kommt der Kunde nämlich am nächsten Tag wieder und kauft sich wieder ein neues Tier! Schon wieder Umsatz gemacht!
Das ganze Ausmaß ist mir die Tage echt bewusst geworden, mein Gott war ich blind! Ich wusste ja schon einiges wie es hinter den Kulissen zugeht, z.B. auch, daß Kaninchen und Meerschweinchen, die einen Makel haben, krank sind oder einfach nur groß geworden sind, als Schlangenfutter verscherpelt werden. Aber auch das ist verständlich, denn schließlich sollen solche Tiere keine Kosten mit TA-Behandlungen verursachen, sondern wenigstens noch ein Bißchen Kasse klingeln lassen! Aber es ist noch schlimmer: denn die Verkäufer, die versuchen, sich um die Tiere zu kümmern (wie Frau W.) werden auch noch dafür bestraft!

Seit mir dies alles bewusst geworden ist, vermeide ich es, eine Zoohandlung zu betreten. Und wenn man mal richtig überlegt: Eigentlich braucht man gar keine! Wer ein Tier möchte, kann und sollte sich zunächst im Tierheim umschauen oder im Internet unter den vielen Vermittlungen von Tierschutzvereinen oder von Privat. Gesünder und billiger sind die Tiere dort obendrein, und meist auch schon kastriert. Von Züchtern rate ich eigentlich auch ab, letztendlich sind sie ja die produktiven Erzeuger, die die Zoohandlungen beliefern. Zubehör und Futter bekommt man auch wo anders her, wo keine Tiere verkauft werden, wie im Baumarkt, reinen Futterläden oder im großen, praktischen Internet.
Ich hoffe, dass dies noch viele Leute begreifen werden und sich weder Tiere noch Zubehör in einer Zoohandlung kaufen, damit dieser skrupellose Handel nicht mehr unterstützt wird! Hunde und Katzen sind in deutschen Zoohandlungen ja zum Glück schon lange kein Thema mehr. Hoffen wir, dass sich der Verkauf der anderen Tiere irgendwann auch nicht mehr lohnt, und dass keine Geschäfte mehr auf Kosten von Tieren gemacht werden können...



 
Purzel eine Woche nachdem er zu uns kam:
Mit krummen und kraftlosen Beinchen konnte er sich nur für einen kurzen Moment auf einer Stange halten. Der eine Flügel stand unnatürlich ab und sein Allgemeinzustand war kritisch.


Purzel drei Monate später:
Er hat sich erholt, kann trotz des abstehenden Flügels fliegen, landen und etwas klettern. Das eine Bein ist zwar immer noch krumm, aber er lebt und kommt gut mit seiner Behinderung klar.


Purzel, Du hast uns in so vielen Dingen die Augen geöffnet.
Unser kleiner Tollpatsch, wir werden Dich nie vergessen!


 
   
 
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